Wie in Dallas: Der Run auf die Claims: Kanadier wollen in Nordhessen nach Erdgas bohren

Schwalm-Eder. Der Naturschutz hat in Deutschland einen hohen Stellenwert. Es sei denn, die Geldgier kommt ihm in die Quere. In solchen Fällen kann  ganz schnell Schluss mit Sachen Umweltliebe sein. So hat die kanadische Aktiengesellschaft BNK Petroleum den Plan ins Auge gefasst, künftig im Schwalm-Eder-Kreis, in Waldeck-Frankenberg, in Stadt und Landkreis Kassel, dem Werra Meißner Kreis sowie den Kreisen Hersfeld Rotenburg und Marburg-Biedenkopf nach Erdgas zu bohren.

Werden auch im Schwalm-Eder-Kreis bald Bohrtürme stehen? Foto: Oliver Brunner / pixelio.de

Das Kind hat sogar schon einen Namen: „Adler South“ wurde das insgesamt circa 5.000 Quadratkilometer große Gebiet in Nordhessen von den Energiebohrern getauft. Erste Anträge hat die deutsche Tochter des kanadischen Öl- und Gaskonzern bereits beim Regierungspräsidium Darmstadt und dem zuständigen Bergbauamt eingereicht.

 

Foto: Privat

Zu kurze Frist

Das  Darmstädter RP habe anschließend den Landkreis um eine Stellungnahme gebeten. Allerdings sei die Antwortfrist so eng bemessen gewesen, dass die Zeit gefehlt habe, ein Feedback der Kommunen und Kreisgremien einzuholen, erklärt Landrat Frank-Martin Neupärtl, der sich für den Kreis gegen die BNK-Pläne ausgesprochen hat.

 

Dabei ginge es der BNK vorerst nur darum, sich einen Claim abzustecken und damit das alleinige Recht zu sichern, in diesen Regionen nach Erdgas zu suchen, erklärt  Thorsten Neels vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUELV). Sollte dem Antrag stattgegeben werden, würden in den nächsten ein bis zwei Jahren seismische Untersuchungen und frühestens in drei bis fünf Jahren erste Probebohrungen auf dem Programm stehen.

Einwände ignoriert

Die wurden in anderen Bundesländern bereits in die Tat umgesetzt. Das in manchen Claims Nationalparks und Naturschutzgebiete liegen, spielte dabei allerdings keine Rolle. Einwände von Behörden und Bürgerbewegungen blieben unberücksichtigt.

Den Ämtern und Kreisen sind weitgehend die Hände gebunden. Stattdessen gilt der Grundsatz der „Bergfreiheit“. Laut dieser Regelung des Bergrechts, werden Bodenschätze als unabhängig vom Grundeigentum betrachtet und können daher von jedem gesucht und gefördert werden.

Die einzige Hürde ist das Erlangen einer Genehmigung durch die Bergbauämter. Die kann allerdings jeder Schürfwillige bekommen, der über die möglichen finanziellen Mittel verfügt und keinen Formfehler bei der Antragstellung macht. Die anfallende „Feldesabgabe“ wird vom Staat übernommen. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung ist nicht vorgesehen.

Umstrittene Methode

Das macht den Weg frei für das sogenannte „Fracking“, oder Hydraulic Fracturing. Bei dieser besonders umstrittenen Form der Tiefenborhung werden mit chemischen Zusätzen vermischte Flüssigkeiten in die Bohrkanäle gepresst. Auf diese Weise sollen in der Erdschicht Risse erzeugt werden, durch die das Erdgas austreten kann.

Während die Bohrfirmen die verwendeten Gele, Schäume, Säuren, Korrosionsschutzmittel, Oxidationsmittel, Enzyme, Biozide und weiteren Zusätze auf Polymer- und Acrylamidbasis als unbedenklich einstufen, fürchten Kritiker, unter ihnen Landrat Frank-Martin Neupärtl, unkalkulierte Risiken für Mensch, Umwelt, Grund- und Trinkwasser.

Dabei habe das Hessische Umweltministerium längst eine Expertenkomission zusammengestellt, die sämtliche Schritte, besonders im Hinblick auf den Natur- und wasserschutz überwachen werde, erklärt Thorsten Neels, der noch einmal darauf hinweist, dass eine endgültige Entscheidung ohnehin erst in mehreren Jahren erfolgen werde.

Quelle: Heimatnachrichten

 

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