Insider enthüllen geheime Absprachen:

Sartorius bekommt Zuschuss aus der Gemeindekasse

Guxhagen. Nur strahlende Gesichter sah man im vergangenen September in Guxhagen. Der Gemeinde war mit der Ansiedlung des Bioreaktorenwerks von Sartorius ein großer Coup gelungen, der nun gebührend gefeiert werden sollte.

Sogar Ministerpräsident Volker Bouffier war nach Nordhessen geeilt, um seine Glückwünsche höchst persönlich zu überbringen. Nun jedoch behaupten Insider, der Erfolg könnte teuer erkauft worden sein.

Weltkarte der Biotechnologie

„Guxhagen ist auf der Weltkarte der Biotechnologie angekommen.“ fasste der Vorstandsvorsitzende von Sartorius, Dr. Joachim Kreuzburg, die Hochstimmung bei der Eröffnung zusammen. Doch während in Guxhagen die Sektkorken knallten, dürfte in anderen Gemeinden Nordhessens die Stimmung eher gedämpft gewesen sein.

Nicht wenige – darunter das interkommunale Gewerbegebiet  Mittleres Fuldatal oder auch  die wirtschaftlich angeschlagene Stadt Felsberg – hatten sich ebenfalls um die Ansiedlung des Unternehmens bemüht, zogen letztlich aber den Kürzeren.

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) war persönlich nach Guxhagen gekommen, um mit dem Vorstandsvorsitzenden von Sartorius, Dr. Joachim Kreuzburg, die Einweihung des neuen Werks zu feiern.
Foto: Bernhard


 

Geheimverhandlungen mit Sartorius

„Die Kommunen standen Schlange“, feixte Guxhagens Bürgermeister Edgar Slawik denn auch mit stolz. Darauf angesprochen, wie es denn geschafft habe den großen Konzern in seine kleine Gemeinde zu locken, blieb er jedoch einsilbig. „Das Gesamtpaket hat bei uns gestimmt“, so sein kurzer Kommentar damals. Und auch Sartorius selbst betonte bei dieser Gelegenheit, man habe sich nach dem Weggang aus Melsungen wegen der guten Verkehrsanbindung für Guxhagen entschieden. Doch das war wohl allenfalls die halbe Wahrheit. Auf Anfrage unserer Zeitung betätigen Bürgermeister Edgar Slawik und Sartorius, dass zusätzlich Gespräche über Zahlungen in Form einer „Arbeitsplatzförderung“ mit der Gemeinde geführt wurden. Deren Höhe sei jedoch noch nicht fixiert.

Millionen aus der Gemeindekasse?

Es geht um sehr viel Geld, sagen die Insider. Das vereinbarte Ziel sei es, Sartorius für drei Jahre von der Gewerbesteuer  zu befreien. Da die Gemeinde jedoch nicht einfach auf diese Steuer verzichten könne, werde nun nach einem rechtlich gangbaren Weg gesucht, dem Unternehmen das Geld auf andere weise zukommen zu lassen.

Möglicherweise geht es um Millionen. In einer Aufstellung für den Gemeindevorstand, die der Redaktion vorliegt, geht das Unternehmen selbst von einer Gewerbesteuerzahlung von 402.000 Euro für 2012, 955.000 Euro in 2013 und sogar rund einer Million für 2014 aus. Insgesamt also fast zweieinhalb Millionen Euro.

Hans-Georg Korell, Leiter der Wirtschaftsförderung des Schwalm-Eder-Kreises, war  zeitweise in die Verhandlungen mit Sartorius eingebunden, zeigt sich überrascht.  „Wir haben zusammen mit dem Hessischen Wirtschafstministerium dafür gesorgt, dass Sartorius 200.000 Euro aus EU-Mitteln bekommen hat“, bestätigt er. Über weitere Zahlungen wisse er aber nichts.
Von uns mir den Rechercheergebnissen konfrontiert betont er: „Gängige Praxis bei der Anwerbung von Unternehmen sind solche Zahlungen jedenfalls nicht.“ Normalerweise böten die Gemeinden nur günstige Gewerbeflächen an. Auch wenn rechtlich nichts dagegen einzuwenden sei, halte er die geplante „Arbeitsplatzförderung“ deshalb für „fördertechnisch bedenklich“.  Auch könnte ein solcher Deal, aus seiner Sicht, ein „fatales Signal“ für den Wettbewerb um die Ansiedlung von neuen Unternehmen in Nordhessen sein.

Bürgermeister Slawik ficht dies nicht an. „Eine kommunale Familie gibt es in diesem Zusammenhang nicht“, sagt er. „Jeder versucht sich ein möglichst großes Stück vom Kuchen abzuschneiden.“  So auch Guxhagen. Im Übrigen wolle man mit der „Arbeitsplatzförderung“ gerne auch noch Zulieferbetriebe von Sartorius in die Gemeinde locken.

 

Quelle: Heimatnachrichten