„Gefahr für Energiewende“

Die Südlink-Trasse ist überflüssig, sagen Felsberger Bürgerinitiative und Bürgermeister

FELSBERG. Wer ja zur Energiewende sagt, muss auch ja zur Stromtrasse Südlink sagen? Das ist Unsinn, finden die Mitglieder der Bürgerinitiative Lebenswertes Felsberg (BI) und Bürgermeister Volker Steinmetz. Im Gegenteil, sagen sie: Die geplante Stromtrasse zementiere althergebrachte Strukturen bei der Energieversorgung und gefährde den Umstieg auf erneuerbare Energien. „Die Fläche ist nur einmal da“, sagt Bürgermeister Steinmetz, „da muss man sich die Frage stellen: Wollen wir sie für Strommasten nutzen oder für Windräder und Photovoltaikanlagen?“

Lieber Windräder statt Strommasten: Das fordern die Mitglieder der Felsberger Bürgerinitiative Lebenswertes Felsberg, aber auch Felsbergs Bürgermeister Volker Steinmetz. Die Stromtrasse Südlink sei nicht etwa ein Garant für die Energiewende, sondern gefährde diese sogar. Foto: dpa

Nur Konzerne profitieren

Von der Stromautobahn profitierten nicht die angrenzenden Kommunen, sondern nur die großen Stromkonzerne, kritisiert Hilmar Löber, Vorsitzender der BI. Diesen Konzernen aber gehe es eben nicht darum, die Stromversorgung beispielsweise in Nordhessen zu sichern – sondern darum, Strom zu exportieren, sagt Löbers Stellvertreterin Erika Carstensen-Bretheuer. „Der Stromverbrauch wird bis 2024 um fünf Milliarden Kilowattstunden zurückgehen“, sagt sie. Was hingegen zunehmen werde, sei die Stromproduktion – das sei der wahre Grund für den Bau einer solchen Stromtrasse. Das gehe aus dem Netzentwicklungsplan 2024 hervor.


„Das Wohl der Energiewende hängt nicht von Südlink ab“, ist Carstensen-Bretheuer überzeugt – sie beruft sich dabei unter anderem auf eine Expertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Um die Energiewende voranzubringen, brauche man vor allem ein Einspeise- und Verbrauchsmanagement für die bestehenden Netze – und verbesserte Speichermöglichkeiten. Das Ziel müsse eine dezentrale Stromversorgung sein – dazu leiste Felsberg bereits einen Beitrag mit dem geplanten Bau von Windrädern. Natürlich, räumen Bürgerinitiative und Bürgermeister ein, fehle es zum Teil auch an Akzeptanz für den Bau von Windkraftanlagen. „Aber diese Akzeptanz lässt sich herstellen, wenn man die Bürger finanziell an den Windrädern beteiligt“, sagt Carstensen-Bretheuer.

Hintergrund

Forderungen an die Netzagentur In einer gemeinsamen Stellungnahme fordern der Magistrat der Stadt Felsberg und die Bürgerinitiative Lebenswertes Felsberg die Bundesnetzagentur dazu auf:

  • alle technischen Möglichkeiten auszunutzen, um elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder beim Bau von Wechsel- und Gleichstromanlagen zu reduzieren
  • die Einhaltung von Abständen zu Gebäuden und Siedlungen bei der weiteren Planung von Südlink sicherzustellen
  • zu prüfen, welche Umweltauswirkungen die Masten der Gleichstromleitungen haben. (jul)

Quelle: HNA

 
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