Nachsitzen in Sachen Bildungspaket – Lernförderung: Kreis schneidet schlecht ab

Schwalm-Eder. Das von der Bundesregierung im März vergangenen Jahres eingeführte Bildungspaket zur Förderung von Kindern aus sozialschwachen Familien bleibt im Schwalm-Eder-Kreis weiterhin ein Ladenhüter. Besonders betroffen davon ist die Lernförderung.

„Ich sehe weiterhin Defizite“, betont denn auch die SPD-Landtagsabgeordnete Regine Müller. Sie bezieht sich dabei  auf einen Bericht von Hessens Sozialminister Stefan Grüttner, der dem Sozialausschuss vorgelegt wurde. Dem Bericht zufolge gab es im Dezember 2011 im Kreis 5.581 anspruchsberechtigte Kinder und Jugendliche. Davon erhielten zu diesem Zeitpunkt 30 Lernförderung.

Das entspricht einem Anteil von etwa einem halben Prozent. Damit schneidet der Schwalm-Eder-Kreis im Vergleich mit anderen hessischen Kommunen besonders schlecht ab.

Nur ein halbes Prozent der anspruchsberechtigten Kinder und Jugendlichen bekam nach letzten offiziellen Daten die mögliche Lernförderung. Inzwischen seien die Zahlen besser, behauptet Hans-Gerhard Gatzweiler vom Jobcenter Schwalm-Eder.  Foto: Fotolia

„Bildungspaket fördert nicht die Bildung“

Aufgeschreckt von diesen Zahlen meldet sich auch der Sozialverband VdK zu Wort: „Den bisher erstellten offiziellen Statistiken können wir leider nur eines entnehmen: Das Bildungspaket fördert gerade nicht die Bildung“, kritisiert Udo Schlitt, Vorsitzender des VdK-Landesverbandes Hessen-Thüringen. Die Zahlen, insbesondere im Schwalm-Eder-Kreis, seien so niedrig, dass hier dringend nachgebessert werden müsse, damit Bildung und die Chancen auf schulisches Weiterkommen nicht weiter vom Geldbeutel abhänge.

Asmut Stüssel, Leiter der Sozialverwaltung im Schwalm-Eder-Kreis, wehrt sich gegen diese Kritik: Das Bildungspaket bedeute nicht nur Lernförderung, sondern biete weitere Leistungen, wie etwa die finanzielle Unterstützung von Klassenfahrten, Mittagessen und Vereinsaktivitäten. Man könne außerdem die Zahlen durchaus auch positiv interpretieren: „Die meisten Kinder haben offensichtlich keine Probleme in der Schule“, so Stüssel.

Lernförderung nur bei „Versetzungsgefährdung“

„Die vom Sozialminister vorgelegten Zahlen sind nicht mehr aktuell“, betont Hans-Gerhard Gatzweiler, Leiter des Jobcenters Schwalm-Eder, das Programm befinde sich immer noch in der Anlaufphase. „Ich gehe von einem Anstieg in den letzten Monaten aus“, so betont er. Mit Zahlen könne er dies allerdings nicht belegen.

Grundsätzlich sei jedoch zu bedenken, dass Lernförderung nur Kindern und Jugendlichen gewährt werde, die „versetzungsgefährdet“ seien. Dies zu beurteilen sei Aufgabe des Schulamtes. „Es geht dabei also nicht darum, jemanden fit fürs Gymnasium zu machen“, erklärt Gatzweiler.  Trotzdem, so räumt er ein, müssten die offensichtlichen Unterschiede zwischen den Städten und Kreisen in Hessen analysiert werden. Auch wünsche er sich einen größeren Spielraum bei der Vergabe. Die Problematik sei jedoch aus seiner Sicht, dass es noch keinerlei Studien zur Wirkung der Lernförderung gebe.

Quelle: Heimatnachrichten