Nebenkosten lasten auf armen Haushalten

Wohnen im Landkreis ist für Hartz-IV-Empfänger zu teuer

SCHWALM-EDER. 600 000 Haushalten wird jährlich der Strom abgestellt, weil die Stromrechnung nicht mehr bezahlt werden kann. Das ergab eine Verbraucherschutzumfrage bei den Energieversorgern. Auch auf einen Teil der über 4560 Familien im Schwalm-Eder-Kreis, die Hartz-IV-Leistungen erhalten, „kommt eine erhebliche Belastung zu“, sagt Hans-Gerhard Gatzweiler, Geschäftsführer des Jobcenters Schwalm-Eder. 5,3 Cent teurer wird die Kilowattstunde im neuen Jahr, und die Stromkosten müssen Hartz-IV-Empfänger vom Regelsatz begleichen.

Bild: Privat

Von einer „gewollten Verarmung der Erwerbslosen“ spricht Lutz-Jürgen Baumann von den Organisierten Arbeitslosen Schwalm-Eder. Die Hartz-IV-Empfänger müssten sich die Energiekosten vom Munde absparen. Rechnerisch sind 8,36 Prozent, das sind 30,24 Euro, des Regelsatzes für die Stromrechnung veranschlagt. Der Regelsatz wird jährlich an die allgemeine Lohn- und Preisentwicklung angepasst.
Wenn es ernst wird, die Stromrechnung nicht mehr bezahlt werden kann, vermitteln die Jobcenter zwischen Energiekonzernen und den Beziehern. „Wir versuchen das Abschalten zu vermeiden“, sagt Gatzweiler. In akuten Fällen helfen die Jobcenter mit zinslosen Darlehen aus. Kostenlose Energieberatungen von den Jobcentern sollen beim Energiesparen helfen. „Aber das läuft ins Leere“, meint Lutz-Jürgen Baumann, „Wer kann neue energiesparendere Geräte bezahlen?“


Nicht nur die Stromkosten seien das Problem, sagt Bernd Podewils-Schmieling, Berater beim Mieterverein Marburg in Schwalmstadt. „Die steigenden Nebenkosten als Ganzes locken in die Schuldenfalle“, sagt er. Das bestätigt auch die Studie des Hannoveraner Pestel- Instituts (siehe Hintergrund). Der Regelsatz müsse angepasst werden, fordert Podewils-Schmieling.

H I N T E R G R U N D

Neuer Wohnraum erforderlich

Mietwohnungen im Schwalm-Eder-Kreis sind in einem veralteten Zustand, so lautet das Ergebnis der diesjährigen Studie des Hannoveraner Pestel- Instituts. Nur ein Bruchteil der Mietwohnungen ist altersgerecht saniert. Enge Türen und Schwellen zwingen Senioren, ihre Häuser zu verlassen.
Auch der energetische Zustand der Wohnungen ist veraltet: Fehlende Isolierungen und Wärmedämmungen lassen die Heizkosten massiv ansteigen. Zudem sind viele Mietwohnungen mit veralteten Heizungsanlagen ausgestattet. Bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, der modernen Ansprüchen genüge, sei eine der drängendsten Herausforderungen. (akh)

Quelle: HNA

 

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