Jeder Fünfte ist arm

VdK fordert Maßnahmen zur Armutsbekämpfung

Schwalm-Eder. Ist Deutschland ein reiches Land? Diese Frage stellt der VdK Kreisvorsitzende, Klaus Brandt. Gemessen an der Wirtschaftsleistung stimmt das sicher. Doch neue Zahlen des statistischen Bundesamtes aus der Erhebung „Leben in Europa 2011“ lassen Zweifel aufkommen, ob der Begriff für Deutschland überhaupt noch angemessen ist. Nach diesen Zahlen lebte 2011 jeder fünfte Deutsche (19,9 Prozent) in Armut oder sozialer Ausgrenzung. Das sind 16 Millionen Menschen.

Armut steigt an

Im Vergleich zu 2010 stieg die Zahl weiter an. Damit hat sich die jahrelange Forderung des Sozialverbandes VdK nach wirksamen Maßnahmen zur Bekämpfung der Altersarmut bestätigt, teilt der VdK Kreisverbandes Fritzlar-Homberg mit. Brandt verweist auf die steigenden Zahlen von Menschen in Billiglöhnen, Minijobbern und Leiharbeitern.
Von dieser Beschäftigungssituation sind überwiegend Jüngere betroffen. Diese Menschen leben schon in Armut und werden im Alter erst recht arm sein, denn ein wichtiges Kriterium bleibt nun einmal das Einkommen. In Deutschland gilt als armuts- gefährdet, wer inklusive staatlicher Leistungen (zum Beispiel Hartz IV, Kindergeld) im Monat weniger als 952 Euro netto zur Verfügung hat.
Bei einer Familie mit zwei Kindern gilt ein Wert von knapp 2000 Euro. Wird allein dieses Kriterium der sogenannten Armuts-gefährdungsquote angewendet, dann gelten 15,8 Prozent der Bevölkerung oder 13 Millionen Menschen in Deutschland als arm.

Müllsammler sind ein Indiz für Armut.
Foto: kk/ Peter Ries (pixelio.de)

Im Bundesdurchschnitt sind nach den Zahlen des statistischen Bundesamtes Personen zwischen 18 und 64 Jahren häufiger von Armut betroffen. Das sind sogar 21,3 Prozent. Frauen sind am häufigsten betroffen. Für den VdK bedeute dies, dass die Betroffenen aus finanziellen Gründen die Mieten und die im nächsten Jahr dramatisch steigenden Stromrechnungen nicht mehr begleichen können. Sich keine vollwertigen Mahlzeiten, nichts Außer- gewöhnliches oder einen mindestens einwöchigen Urlaub leisten. Auch das Fehlen von Fernseher, Waschmaschine oder eines Autos gehören dazu.       

 

Keine geordnete Arbeit

Rund 30 Prozent aller Beschäftigten arbeiten nicht mehr in geordneten Arbeitsverhältnissen. Die Zahlen des statistischen Bundesamtes sind nach Auffassung des VdK nicht das Ergebnis eines Wirtschaftseinbruches, sondern die Folgen der unsozialen politischen und betriebswirtschaftlichen Entscheidungen. Ein wichtiger Schritt zur Vermeidung von Alterarmut sei es, die Absenkung des Rentenniveaus von derzeit 51 Prozent auf 43 Prozent bis zum Jahr 2030 zu stoppen und die von der Regierungskoalition im Bundestag zum Jahreswechsel beschlossene Beitragssenkung von 19,5 Prozent auf 18,9 Prozent im Bundesrat rückgängig zu machen.
Ebenso gelte es, die Versorgungsbezüge nicht weiter zu kürzen. Es sei ein völlig falsches Signal, bei ständig sinkenden Renten und steigender Altersarmut durch eine Absenkung des Beitragssatzes die bestehenden Rücklagen bis auf eine Mindestrücklage aufzulösen. Stattdessen sollten die Überschüsse in der Rentenversicherung genutzt werden, um die Altersarmut zu bekämpfen und die Renten der nachfolgenden Generation zu sichern.
Dazu gehören auch Investitionen in Rehabilitation, um mehr Menschen in das Arbeitsleben zu integrieren, aber auch eine bessere Altersabsicherung von Erwerbsgeminderten und Geringverdienern, heißt es in der Pressemitteilung des VdK Kreisverbandes weiter.

 

Quelle: Heimatnachrichten

 

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