Arztbesuch mit Hindernis

Rollstuhlfahrer müssen oft lange Strecken zur nächsten stufenlosen Praxis zurücklegen

SCHWALM-EDER. Treppenstufen? Darüber habe er sich früher auch keine Gedanken gemacht, räumt Robert Weck ein. Früher, als er noch laufen konnte. Seit elf Jahren sitzt der 67-Jährige im Rollstuhl – und entdeckt überall Hürden für Menschen mit Behinderung.Was ihn besonders ärgert: Nur wenige Arztpraxen sind auf Patienten mit Handicap eingestellt. Weck ist Behindertenbeauftragter in Melsungen und lebt auch in der Bartenwetzerstadt. Doch zum Urologen fährt er nach Bad Wildungen, zum Augenarzt nach Kassel.

„Wir haben keine Lobby.“


R O B E R T W E C K B E H I N D E R T E N -B E A U F T R A G T E R

Denn die Praxen der meisten Fachärzte in Melsungen sind nur über eine Treppe zu erreichen – für Weck mit seinem Rollstuhl ein unüberwindbares Hindernis. „Das betrifft aber nicht nur Rollstuhlfahrer, sondern auch ältere Menschen“, sagt er. „Wir haben eben keine Lobby, die unsere Interessen durchsetzt.“ Natürlich könnte er sich in Melsungen auch einen Fahrdienst bestellen und sich die Treppen hochtragen lassen.
„Dafür brauche ich dann aber erstmal einen Transportschein, den mir ein Arzt ausstellen muss.“ Diesen Aufwand scheut Weck – aber vor allem das Gefühl, beim Hochtragen zur Schau gestellt zu werden. „Man möchte sein Leben doch möglichst ohne fremde Hilfe auf die Reihe bekommen“, sagt er. Ähnlich wie Robert Weck ergeht es auch Christina Nickel. Sie ist Behindertenbeauftragte für die Stadt Homberg und sitzt wegen Multipler Sklerose ebenfalls im Rollstuhl.


„Mein Allgemeinmediziner muss bei mir Hausbesuche machen“, sagt sie, „in die Praxis komme ich nicht rein.“ Für andere Arztbesuche muss sie sich einen Krankenwagen rufen.
Robert Weck will sich mit dieser Situation nicht abfinden. „Patienten haben freie Arztwahl“, sagt er, „aber für Behinderte gilt das offenbar nicht.“ Sein Wunsch wäre ein runder Tisch mit den Ärzten: „Wir müssen diskutieren, was wir tun können.“

Er weiß aber auch, dass es wenig Möglichkeiten gibt, etwas zu ändern. Eine Rampe oder einen Fahrstuhl zu bauen, Türrahmen zu verbreitern – all das kostet Geld. „Die meisten Arztpraxen befinden sich ja in Privathäusern, und deren Eigentümer kann man nicht zum Umbau zwingen“, sagt Weck. Doch wenn einer anfangen würde, umzubauen, würden vielleicht andere nachziehen, hofft er. „Wir stehen bei der Barrierefreiheit erst am Anfang“, sagt Weck.

Quelle: HNA

 

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