Sein Gott bleibt seiner

Pfarrer Karl Georg Simon nimmt am Sonntag Abschied von zwei Kirchengemeinden

MALSFELD. Dort oben, wo er Gott ein paar Zentimeter näher sein konnte, hat er nicht gepredigt. Denn wer auf hohen Kanzeln steht, ist seiner Gemeinde fern. Karl Georg Simon ist Pfarrer in Malsfeld und Beiseförth gewesen. 37 Jahre lang.


Am Sonntag nimmt er Abschied von seiner Gemeinde und seinem Berufsleben. Oder, wie Simon es sagt: „Ich begrüße einen neuen Abschnitt.“ Der alte Abschnitt, erklärt der 63-jährige Pfarrer, bahnte sich schon in seiner Kindheit an. Der Vater war Diakon gewesen und die Familie betete vor dem Essen. Dann, noch vor dem Abitur, schickte ihn der Religionslehrer zu einer Werbeveranstaltung der Kirche. Die suchte neue Pfarrer und fand Karl Georg Simon. Jetzt steht Simon in der Malsfelder Kirche und sagt „Gott war immer da“. Natürlich hat er auch gezweifelt:„Hat mein Gott mich verlassen?“ Das waren Momente, in denen Krankheiten dem siebenfachen Vater und seine Familie zusetzen. Dann las Simon in der Bibel. „Das hat mich beruhigt: Gott ist noch da.“

Pustet ein Licht aus: Von der Gemeindearbeit verabschiedet sich Karl Georg Simon. „Das zweite Licht leuchtet weiter“, sagt er. Denn auch wenn der Pfarrer kein Pfarrer mehr ist: Der Glauben an Gott erhellt weiterhin sein Leben.         Foto: Schleichert

In Simons Bücherregal stehen die „Bibel für heute“, aber auch die Evangelien. Er ist keiner, der Bewährtes auf den Kopf stellt. „Ich habe nur man-che Dinge in Frage gestellt“, sagt er. Wie die Bänke in der Malsfelder Kirche. „Ist die Kirche nicht viel beweglicher, wenn da Stühle drin stehen?“, fragte der Pfarrer und setzte seinen Plan um. Zweimal im Jahr macht Simon den „etwas anderen Gottesdienst“.
Dann moderieren Ehrenamtliche den Gottesdienst, ein Schlagzeug und Gittarren schallen durch die Kirche und die Gemeinde stimmt ab, wofür gebetet werden soll. Stolz auf seine Neuerungen, nein, das ist er nicht. „Stolz zählt nicht zu meinem aktiven Wortschatz“, sagt er. Wenn Simon von seinem Wirken spricht, zählt er zuerst das der anderen auf. Das Engagement seiner Frau Magdalena, die am Sonntag mit ihm verabschiedet wird: als engagierte Gemeindehelferin und Pfarrersfrau.

Das Wirken jener Frauen, die jede zweite Woche kochen. Für Menschen, die sonst alleine am Tisch sitzen. Und den Einsatz des Kirchenchors, der Ostern um 6 Uhr und Heiligabend um 22 Uhr in der Kirche singt. „Ich habe einen guten Draht zu meiner Gemeinde“, sagt Simon, der in der Beiseförther Kirche lieber vorne am Altar predigt. Die Kanzel ist ihm zu hoch. Die Gemeinde muss er seinem Nachfolger überlassen.

Doch sein Gott bleibt seiner. „Wir hatten immer einen guten Draht - auch, wenn ich manchmal Zweifel hatte.“ Der Karl Georg Simon, der kein Pfarrer mehr ist, wird die Bibel auch weiterhin in seiner Tasche durch die Welt tragen. „Die ist voll mit Gottes Antworten.“

Termin: Der Abendmahlsgottesdienst zur Verabschiedung beginnt am Pfingstsonntag, 12. Juni, um 14 Uhr in der Malsfelder Kirche. Die Feier wird in das Gemeindehaus übertragen.

Quelle: HNA